Blackout Durch E Mobilitaet

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Woher soll der ganze Strom kommen?

So gut wie jeder E-Mobilist kennt die Frage: Woher soll der ganze Strom kommen? Und auch Ihnen als Hotelier, der als wesentlichen Service-Baustein auch E-Mobilität berücksichtigt, wird oder wurde diese Frage vermutlich bereits gestellt.

Oft wird mit der Fragestellung impliziert, dass erstens nicht genug Strom verfügbar ist und zweitens die Netze die zusätzliche Belastung nicht aushalten würden.

Dieser Artikel soll die nötigen Fakten liefern, um handfeste Antworten geben zu können!
Grundlegendes zur Stromversorgung
Gleich zu Beginn können wir die Thematik wesentlich entschärfen, wenn wir feststellen: Strom ist, im Gegensatz zu Erdöl, keine endliche Ressource. Wir könnten theoretisch, und bis in alle Ewigkeit, zigfach mehr Energie erzeugen, als derzeit produziert wird. Indem wir neue Kraftwerke, Solaranlagen, Windräder, Gezeitenkraftwerke und so weiter bauen.

Die Frage ist also nicht, ob wir den für E-Mobilität nötigen Strom aufbringen können, sondern ob er zum richtigen Zeitpunkt in ausreichender Menge dort ist, wo er benötigt wird!

DER VERBRENNUNGSMOTOR ALS STROMFRESSER

Eine Tatsache, die den wenigsten bekannt ist: Auch Verbrenner benötigen Strom. Denn die Erzeugung von Benzin und Diesel, von der Erdölförderung bis zur Zapfsäule, ist extrem energieaufwändig.

Das Rohöl muss gefördert werden, über weite Strecken gepumpt und transportiert werden, dann auf über 400 Grad Celsius erhitzt werden, um daraus Benzin und Diesel erzeugen zu können. Dies passiert in Raffinerien, deren Betrieb wiederum massiv Energie verbraucht. Die fertigen Kraftstoffe müssen dann wieder transportiert werden. Durch Pipelines, Tankzüge und Laster.

Diese müssen wiederum erzeugt, mit Treibstoffen betrieben und nach Lebensende entsorgt werden. Und das verbraucht wieder Energie und Rohstoffe. Dann lagert der Treibstoff endlich in der Tankstelle. Eine Tankstelle, die Energie verbraucht. Beleuchtung, Pumpen und Zapfsäulen benötigen große Mengen Strom, rund 200.000 kWh im Jahr.

Alles zusammen kommen bei einem Benzin- oder Dieselmotor mit einem Durchschnittsverbrauch von sieben Litern auf 100 Kilometer mehr als elf Kilowattstunden Strom zusammen. Mit diesem Strom könnte man je nach E-Auto bereits zwischen 50 und 100 Kilometer fahren!
Zusätzlich benötigt ein Verbrenner Hilfsstoffe wie Motoröl, AdBlue, Kupplungsbeläge und ein Vielfaches an Bremsscheiben und -belägen. Jedes dieser Produkte zieht wieder seine eigene Erzeugungs- und Lieferkette hinter sich her, die große Mengen an Energie verbraucht. Was das E-Auto an Strom braucht, wird also nicht zusätzlich benötigt, sondern wird großteils durch den Verzicht auf energieintensive Verbrennungsmotoren eingespart.

STROM SELBER MACHEN

Ein wesentlicher Bestandteil der Energiewende ist die dezentrale Stromerzeugung. Jedes Haus hat ein Dach, jedes Dach ist eine potenzielle Solarfläche. Vielleicht erzeugt auch gerade Ihr Betrieb bereits Strom aus erneuerbaren Energiequellen. Dann können Sie darüber sicher aus erster Hand berichten. Die Möglichkeiten, Energie einzusparen und auch zu gewinnen, sind beinahe grenzenlos. Ingenieurwesen, Erfindergeist und der Forscherdrang des Menschen bringen immer neue Methoden hervor, die alle einen Beitrag zum Gelingen der Energiewende leisten. Und dezentrale Stromversorgung entlastet die Stromnetze. Denn der Strom muss nicht vom weit entfernten Kraftwerk hergeschafft werden, er wird im Idealfall im Haus produziert, im Haus gespeichert und lädt das eigene E-Auto. Oder das Ihrer Gäste.
Nicht alle E-Autos laden gleichzeitig Intelligente Wallboxen können weit mehr, als nur Strom abgeben. Zum Beispiel lädt die Wallbox automatisch dann, wenn der Strom am billigsten ist. Der Netzbetreiber kann somit über den Strompreis die Auslastung der Netze steuern und Energiespitzen abfangen. Die Netzauslastung wird gleichmäßig auf die ganze Nacht verteilt. Geniale Sache!

Eine Investition in smarte Wallboxen ist über die günstigeren Strompreise somit schnell wieder eingespielt. Mitunter ist sogar so viel Strom im Netz, dass Netzbetreiber dafür zahlen, dass ihnen Strom abgenommen wird. Weiters gibt es oft spezielle Förderungen zur Anschaffung von intelligenten Wallboxen.

EXTRA BOX

Eine Studie besagt, wenn nur 30 % aller E-Autos mit einer smarten Wallbox geladen werden, könnten bis zu 50 % des gesamten Fahrzeugbestandes E-Autos sein. Ohne Störungen und ohne weiteren Netzausbau.

Sollte es gelingen, mindestens 92,5 % aller Heimladestationen mit smarten Wallboxen auszustatten (durch finanzielle Vorteile, siehe oben), wäre ein Ausbau des Netzes sogar völlig überflüssig. Sogar bei 100 % E-Auto-Quote!

DIE KIRCHE IM DORF LASSEN

Österreichische Studien zeigen: Wenn ab sofort 20 % aller Autos elektrisch fahren, würde der Stromverbrauch um maximal 3 % steigen.

Der Stromverbrauch steigt aber auch ganz ohne E-Mobilität um 1,5 bis 3 % jährlich, somit ist das kein Problem, mit dem die Energieversorger nicht fertig werden würden. Natürlich ist es wichtig, dass zusätzlich benötigter Strom aus erneuerbaren Energien stammt, aber da ist Österreich in jedem Fall auf einem sehr guten Weg! Die Annahme der Studie ist aber ohnehin fiktiv, denn der Anteil an E-Autos wächst zwar deutlich, aber er springt nicht einfach von 1,5 auf 20 %.

Die Energiebetreiber, und auch der Staat, haben Zeit genug, um sich auf geänderte Rahmenbedingungen einzustellen.